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Phonetische Spiele
Bereits während des Studiums habe ich mir gerne zum besseren Lernen
bestimmter Inhalte Lernspiele gebastelt. Jetzt als Dozentin auf der anderen Seite
stehend lasse ich in der letzten Zeit dieses Hobby wieder aufleben.
Für phonetische Spieleabende in unserem Institut habe ich bekannte Spiele
wie z.B. Scrabble, Memory oder Quibble für phonetische Inhalte umgewandelt.
Und so habe ich bisher folgende Spiele in meiner Spielesammlung:
A. Zur Festigung der IPA-Symbole
IPA-Memory in zwei Varianten:
- Variante a: Paare derselben IPA-Symbole müssen gefunden werden.
- Variante b: Paare aus IPA-Symbol und phonetischer Beschreibung des Lautes
müssen gefunden werden (also z.B. ein ich-Laut und die Beschreibung
"stimmloser palataler Frikativ").
B. Zum Trainieren einer normativen
phonetischen Transkription des Deutschen
Das Herzstück der Sammlung ist ein IPA-Scrabblespiel: Auf dem üblichen
Scrabble-Spielbrett werden die Wörter nicht aus Buchstaben zusammengesetzt,
sondern als normative phonetische Transkription des Deutschen mit IPA- Symbolen
aufgelegt.
In der Grundschule lernt man mit Hilfe des Spieles Galgenmännchen
Rechtschreibung. Warum also nicht auch eine normative phonetische Transkription
wie im Aussprache-DUDEN mit Hilfe von Galgenmännchen üben? Das Prinzip ist
ganz einfach: Nachdem man sich auf Transkriptionsregeln geeinigt hat, kann es los
gehen. Die ratenden Mitspieler tippen in diesem Fall nicht auf ein "b", sondern
auf einen stimmhaften bilabialen Plosiv.
C. Üben allgemeiner phonetischer
Kenntnisse und Fähigkeiten
Kennen Sie das Kartenspiel Teamwork? Eine einfache, aber geniale Idee: Zwei
Spieler müssen einen Begriff in einem Satz erklären. Sie dürfen
sich aber nicht vorher absprechen und bilden diesen Satz immer im Wechsel - jeder
ein Wort. Die Mitspieler erraten den beschriebenen Begriff. Dieses Spiel gibt es
in sehr vielen verschiedenen Varianten (mit Begriffen aus dem alltäglichen
Leben oder aus dem Bereich Urlaub, Religion etc.) - und nun auch mit linguistischen
und phonetischen Begriffen.
Natürlich darf in unserer Spielesammlung auch das schon lange bekannte
akustische Memory aus Filmdöschen nicht fehlen (diese Idee stammt
selbstverständlich nicht von mir ;-)): In jeweils zwei Filmdöschen sind
die gleichen Gegenstände (Reis, Knöpfe, Nudeln etc.) enthalten. Durch
Schütteln der Döschen muss man am Geräusch erkennen, in welchen beiden
der gleiche Inhalt ist. Auf diese Weise lernen die Studierenden, ganz genau
hinzuhören und auch feine Details des Gehörten wahrzunehmen und zu
differenzieren.
Ein beliebtes Reisespiel, für das man nichts außer einem Zettel und
einem Stift braucht, ist das Spiel STADT, LAND, FLUSS. Alle Mitspieler
überlegen sich so schnell wie möglich eine Stadt, ein Land, einen Fluss
mit einem bestimmten vorher festgelegten Anfangsbuchstaben. Das Spiel ist beliebig
erweiterbar um Tiere, Berufe etc. Und ebenso gut können diese Kategorien durch
Kategorien aus der Phonetik oder Linguistik ersetzt werden. Also z.B.: Sucht
Fachbegriffe aus den Bereichen ARTIKULATION, AKUSTIK, PERZEPTION, PROSODIE etc.,
die mit dem Buchstaben "F" beginnen (wie "Frikativisierung", "Formant",
"Flimmerhärchen", "Falsettstimme").
D. Übung zur Produktion und
auditiven Erkennung von Stimmqualitäten
Da ich sehr an Stimmqualitäten interessiert bin und zu diesem Thema
gelegentlich Seminare gebe, habe ich zum Üben der Stimmkomponenten die
Spielidee von Quibble abgewandelt.
Aus dem großen Pool möglicher Stimmkomponenten, die von John Laver (1980)
genannt werden, habe ich mir 16 ausgewählt. Reihum muss ein Spieler eine
bestimmte Äußerung mit einer bestimmten Stimmqualität vorlesen und die
Mitspieler müssen die Stimmqualität erraten. Je besser man im Produzieren
und Erkennen der Qualitäten ist, umso mehr Felder darf man im Spielfeld
vorrücken und umso schneller ist man am Ziel angekommen.
IPA-Kekse
Ein weiteres phonetisches Hobby von mir ist das Backen von IPA-Keksen. Ende der
90er Jahre hatten wir fortgeschrittenen Studierenden die Idee, Kekse in Form von
IPA-Symbolen für den Tag der offenen Türe der Universität zu backen
(indem wir die Symbole aus einem
normalen Keksteig ausschnitten). Als ich 2006 zurück nach
Saarbrücken gekommen bin, habe ich diese Idee wieder aufleben lassen. Seitdem
sind sie fester Bestandteil von Festlichkeiten in unserem Institut. Zum
Phonetiker-Kongress ICPhS 2007 in Saarbrücken haben einige Studierende und
ich in mehreren Back-Sessions insgesamt 1242 Kekse gebacken. Das werden wir sicherlich
nicht so schnell wiederholen ;-)
Aufnahmen von natürlicher Kommunikation
Meine Begeisterung für Sprache und Kommunikation macht auch vor
meinem Privatleben nicht Halt - nicht immer zur Freude von Freunden und
Verwandten. ;-)
Denn ich möchte über die nächsten Jahre hinweg einige Bekannte
aufnehmen, um ihre Stimmqualität (v.a. die laryngalen settings) zu
analysieren. Im Idealfall kann ich vielleicht bei dem einen oder
anderen eine Veränderung der Stimme über die Jahre hinweg
entdecken.
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